DGfE Kongress 2008
"KULTUREN DER BILDUNG"
Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft
16. - 19. März 2008
an der Technischen Universität Dresden
„Bildung ist nichts anderes als Kultur nach der Seite ihrer subjektiven Zueignung.“ Während Bildung vor rund 50 Jahren, als Adorno diesen Satz schrieb, als individuelle Auseinandersetzung mit der Kultur im Singular gelten konnte, lassen es die weltweite Migration von Menschen und Ideen sowie die zunehmende Pluralisierung von Lebensformen und Wertorientierungen heute als angemessener erscheinen, von Kulturen im Plural zu sprechen. Die Frage ist deshalb, ob Bildung heute noch als subjektive Aneignung der Kultur (bzw. wie manche fordern: einer national geprägten Leitkultur) verstanden werden kann, oder ob es angesichts kultureller Pluralität nicht angemessener wäre, sie als Auseinandersetzung mit einer Vielfalt unterschiedlicher nationaler, regionaler, sozialer, schicht-, klassen- oder milieu-, geschlechts‑, alters‑, berufs- oder fachspezifischer Kulturen und Subkulturen zu begreifen. Solche Kulturen unterscheiden sich nicht nur in ihren politischen, religiösen und moralischen Werten, nicht nur in ihrer Deutung von Natur und Welt und in ihren rituellen und sozialen Praktiken, sondern auch in ihrem Verständnis von Bildung. In Frage steht also, welche Bedeutung im Blick auf Bildung und Bildungsprozesse der Vielfalt der Kulturen zukommt.
Zugleich finden Bildungsprozesse – und zwar insbesondere dann, wenn sie planmäßig organisiert und gestaltet werden – stets innerhalb eines Kontexts statt, der selbst als kultureller Zusammenhang zu verstehen ist. So ist es üblich geworden, nicht nur von Alltags- und Jugendkulturen, sondern auch von der Kultur einer Schule, einer Organisation oder eines Unternehmens, aber auch von den Kulturen verschiedener Fächer zu sprechen und diese mit ethnographischen oder kultursoziologischen Mitteln zu erforschen. Vor diesem Hintergrund geht es bei dem Kongressthema deshalb auch um die Frage, welchen Einfluss solche institutionellen und disziplinären Kulturen auf die Gestaltung und den Verlauf von Bildungsprozessen haben und wie sie als dynamische Gebilde selbst durch Bildungsprozesse verändert werden.
Ob im Singular oder im Plural – Kultur bzw. Kulturen sind nicht die einzige Bestimmungsgröße im Feld der Bildung. Neben kulturellen Phänomenen sind es vor allem sozialstrukturelle und ökonomische Faktoren, die das Bildungsgeschehen bestimmen. Das Kongressthema ist damit auch in den grundsätzlichen Streit darüber eingebettet, welche Bedeutung kulturtheoretischen Ansätzen in der Erziehungswissenschaft (und den Sozialwissenschaften insgesamt) zukommen soll. Stehen bei der Grundlegung der Erziehungswissenschaft Kultur(en) oder Sozialstruktur(en) im Zentrum? Werden Erziehung und Bildung vor allem durch kulturelle oder durch sozio-ökonomische Faktoren bestimmt? Oder wäre es angemessener, mit zwei konkurrierenden, aber einander womöglich ergänzenden Erklärungsmustern zu arbeiten? Auch solche grundlegenden wissenschaftstheoretischen Fragen sollen auf dem Kongress verhandelt werden.
Bitte lesen Sie auch die Hinweise für Referentinnen und Referenten auf der Kongresswebsite (zu Reisekosten, Kongressgebühren etc.). Diese können Sie einsehen, sobald Sie sich auf der Website registriert haben.
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